# Torsten
Bassist und Science-Fiction-Enthusiast

Musik und Science Fiction – das sind die zwei großen Leidenschaften in Torstens Leben. Als Bassist von PrunX spielt er Space-Gothic-Rock, im Concierge in der Schreinerstraße organisiert er mit seinen Bandmitgliedern ein Sci-Fi-Sonntagskino. Anfang der Neunziger ist er von Wiesbaden nach Berlin gekommen und fühlt sich seitdem stark mit Friedrichshain verbunden, wo PrunX proben und sich für Nachwuchsmusiker engagieren. Torstens ursprünglicher Plan sah allerdings ein bisschen anders aus.
Torsten, wir treffen uns hier auf dem RAW-Gelände – was bedeutet dieser Ort für Dich? Für uns als Band hat das RAW-Gelände eine sehr große Bedeutung. Wir waren von Anfang an dabei, haben die Räume mit ausgebaut und sind sozusagen Pioniernutzer hier. Der Verein hat 1999 ein Gelände übernommen, das jahrelang leer stand. Das war kurz vor knapp, bevor die große Investorenwelle angebrochen ist.
Wie steht’s mit Deinen Gefühlen für Friedrichshain? Das ist absolute Heimat für mich. Ich bin Anfang der Neunziger hierher gekommen, habe in Köpenick, Neukölln, Schöneberg, Prenzlauer Berg und Brölling gewohnt, die meiste Zeit aber hier in Friedrichshain. Das hier ist the heart.
Was hat Dich denn in den frühen Neunziger Jahren von Hessen nach Berlin gezogen? Ich wollte Rockstar werden. Drei Jahre hab ich das auch versucht, aber das hat nicht so richtig geklappt.
Aber der Musik bist Du ja treu geblieben. Ja. Jetzt bieten wir als Band Proberäume für Musiker, die sonst nicht wissen, wo sie proben sollen, machen eine Musikschule und haben gerade eine neue CD aufgenommen.
Welches sind für Dich die größten Veränderungen, die Dein Kiez erfahren hat? Als ich 1992 in der Dirschauer Straße gewohnt habe, gab es Samstags um halb zwei keine Brötchen mehr und Kaiser’s als einziger Supermarkt hatte um die Zeit auch schon geschlossen. In der Simon-Dach-Straße gab’s gerade mal eine Pizzeria. Die Tagung war die einzige Bar und sonst war alles verfallen oder besetzt. Für Bands war das ein Traum, man konnte überall proben und es gab keine Lärmbeschwerden von Anwohnern. Schon früh gab es dann ein gutes halbes Dutzend an Bühnen, wo jede Band auftreten oder ihr Demotape abgegeben konnte. Heute hat selbst die beschissenste kleine Kneipe einen Booking Agenten, und wenn man sowas nicht hat oder nicht möchte wie wir, dann wird es ganz schön schwer, an Auftritte zu kommen. Überhaupt ist Kultur in Friedrichshain ein echtes Thema – es gibt kaum noch welche.
Was ist das Concierge in der Schreinerstraße? Das ist ein Haus, für Künstler und Musiker und jeden Sonntag kann man bei uns Science-Fiction-Filme schauen, Mittwochs gibt es Wunschkino, wo jeder seinen Lieblingsfilm zeigen kann – er muss ihn nur mitbringen. Das alles wäre nie ohne Deborah Franklin möglich gewesen. Ihre Großeltern hatten das Haus gebaut und als es dann restituiert wurde, hat sie es davor bewahrt, ein Haus wie jedes andere in Friedrichshain zu werden. Statt es, wie viele andere Erbengemeinschaften, zu verkaufen, hat sie es unter Eigenregie saniert. Auch heute steht sie uns immer noch bei Verhandlungen mit der Hausverwaltung zur Seite.
Welchen Song widmest Du Friedrichshain? Unser Song Jungle Rumble passt am besten. Er handelt davon, wie man sich in einer Großstadt fühlt. Eigentlich sind wir alle große Narren, dass wir hier bleiben. Ja, das passt ganz gut.
Infos und Konzerttermine von PrunX gibt es auf der Bandwebseite:
Die aktuelle CD 5 of 6 ist eine Tribute-CD für den verstorbenen PrunX-Drummer: sieben Songs von sieben Gast-Drummern, mit Artwork von Jeroen. Erhältlich online oder in der tRaumstation auf dem RAW-Gelände.
Foto: © M.ika
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von maerchenbrunnen gepostet