Maerchenbrunnen

Menschen, Orte und Geschichten in Friedrichshain.

# CHRISTINE

Eisprinzessin

In ihrem Nine-to-five-Job jongliert sie den ganzen Tag mit Zahlen und Rechnungen, doch ihre wahre Leidenschaft gehört den Kufen. Damit sie am Wochenende in aller Herrgottsfrühe den Salchow, den Axel oder Pirouetten üben kann, verzichtet sie auch immer öfter auf das einst so heißgeliebte Friedrichshainer Nachtleben. 

Was verschlägt ein Thüringer Mädchen nach Berlin? Eigentlich der Job. Ich habe in Marseille in einer Eventagentur gearbeitet, aber mir haben meine Freunde zu sehr gefehlt. Ich wollte sie wieder mehr in meiner Nähe haben und habe mich in Deutschland beworben. In Berlin habe ich dann einen Job als Assistentin in einem französischen Hotel gefunden. 

Wo bist Du als erstes in Berlin gelandet? Von Anfang an in Friedrichshain. Ich bin in eine Sechser-WG mit drei Katzen gekommen und habe außerdem noch meine Katze Leo mitgebracht. In der WG war neben mir nur eine andere Frau und die Typen haben gedacht, dass wir die Putzfrau für sie spielen.

Wie war Dein erster Eindruck von Friedrichshain? Wie war das denn damals…jung und bunt sah’s aus, und das hat mir gefallen.

Du bist zwar umgezogen, aber dem Kiez treugeblieben. Gefällt es Dir hier heute immer noch? Eigentlich schon. Manchmal nervt es mich ein bisschen, dass es hier mittlerweile so viele Ich-bezogene Menschen gibt, die sich für den Mittelpunkt der Welt halten. Ich finde, früher konnte jeder so sein wie er will, aber aus diesem Freiheitsgedanken ist jetzt so ein Sortieren nach den Supercoolen und Uncoolen geworden. Wenn man nicht extravagant ist oder im kreativen Bereich arbeitet, gehört man irgendwie nicht dazu. Früher fand ich es toll, dass sich hier alles so gemischt hat, die Einheimischen und die Menschen die aus der ganzen Welt hier hergekommen sind. Jetzt ist das irgendwie nicht mehr so, sondern jedes Grüppchen ist nur noch unter sich: es gibt die Italienerclique, die Franzosenclique, die Spanierclique….

Du hast Dir ein paar Monate Auszeit in Chile genommen. Was hast Du dort vermisst? Die Eishallen.

Was hat Chile, was Berlin nicht hat? Das Wetter, die Wärme und das Meer.

Was fehlt in Friedrichshain? Eine richtig gute Eishalle. Ansonsten eigentlich nicht so viel, sonst würde ich ja woanders hingehen und nicht immer noch hier rumhängen. 

Wenn Friedrichshain eine Figur im Eiskunstlauf wäre, welche Figur wäre es dann? Der sterbende Schwan. Es ist eine sehr schöne, aber auch gefährliche Figur. Der Kopf ist ganz nah am Eis und es dreht sich so schnell…das kann auch daneben gehen.

Wen würdest Du gerne als nächstes bei Maerchenbrunnen sehen? Einen Friedrichshainer Frischling.

Widme Deinem Kiez ein Lied! Rolling Stones: Let’s spend the night together.