Maerchenbrunnen

Menschen, Orte und Geschichten in Friedrichshain.

# LAURA

Illustratorin und Malerin

Skizzen und Bilder von der Oberbaumbrücke, der U-Bahn, Cafés und Clubs im Kiez: Laura hat immer einen Stift und Zeichenblock dabei und malt alles auf, was um sie herum passiert. Die Nordspanierin wollte mit ihrem baskischen Freund eigentlich nur für ein halbes Jahr nach Berlin - mittlerweile sind drei daraus geworden. Nach Stationen in Barcelona, Valencia und Mexiko fühlen sich Laura und Anders mittlerweile pudelwohl in Friedrichshain. Und bald wird es sogar einen neuen Friedrichshainer geben.

Erst Wilmersdorf, dann Friedrichshain. Wie kommt’s? Als wir in Berlin angekommen sind, kannten wir ja überhaupt gar nichts und sind deshalb in Wilmersdorf gelandet. Es ist ja auch sehr hübsch und grün dort…aber es passiert halt nicht sehr viel und es gibt auch nicht viele junge Leute dort.

Was magst Du sonst noch an Deinem Kiez? Es ist irgendwie wie ein Dorf hier. Mit dem Rad bin ich in ein paar Minuten überall und es gibt hier alles, was ich brauche.

Und was ist nicht so toll? Eigentlich nichts. Naja, die Kälte und das graue Klima. Alle sagen mir, man würde sich daran gewöhnen, aber ich glaube das nicht. Das Gute daran ist aber, dass man es viel intensiver merkt, wenn der Frühling beginnt. Man sieht es an den Gesichtern der Menschen: alle sind gut drauf und freuen sich.

Wie unterscheidet sich Dein Leben hier in Berlin von dem in Spanien? Es ist nicht total anders, aber hier versuche ich das zu tun, was ich tun möchte. In Spanien musste ich immer dafür sorgen, dass ich mich mit irgendwelchen Jobs finanziere, die ich eigentlich gar nicht machen wollte. Hier in Berlin gibt es mehr Möglichkeiten für mich und ich bin von Leuten umgeben, die das gleiche machen wie ich. 

Wo findest Du die Inspiration für Deine Zeichnungen und Bilder? Die Inspiration für meine Skizzen finde ich vor allem auf der Straße. Mich inspiriert die Architektur, die Restaurants, die Menschen in den Cafés. Vor allem im Sommer, wenn die Leute alle draußen in der Sonne sitzen. Größere Bilder male ich meistens nach Fotos ab.

Erinnerst Du Dich noch an das erste Bild, das Du in Berlin gemalt hast? Oh, da muss ich überlegen…ich weiß es nicht mehr. Wahrscheinlich war es eine Straße in Friedrichshain. Anfangs habe ich meine Sachen auf dem Kunstmarkt in Mitte verkauft, da musste ich mich an etwas touristischeren Motiven orientieren, wie dem Brandenburger Tor oder dem Fernsehturm…jetzt lasse ich mich eher von meinem Viertel inspirieren.

Welche Künstler bewunderst Du? Lucian Freud. Als ich das erste Mal ein Bild von ihm gesehen habe, dachte ich “Wow, so will ich auch malen”. Ich konnte mich sehr mit ihm identifizieren, weil er auch viele Menschen aus seinem Freundeskreis gemalt hat, wie ich. Dann gefallen mir noch einige, aber nicht alle Bilder von Gerhard Richter, vor allem die früheren, figurativen Bilder.

Was vermisst Du, wenn Du an Dein Zuhause in Valladolid, Spanien denkst? Neben meiner Familie und Freunden vor allem das Essen meiner Mutter. Jemand hat mich mal gefragt, wonach mein Dorf riecht: Ganz klar nach der Küche meiner Mutter. Das fehlt mir.

Was ist für Dich der “typische Friedrichshainer”? Den gibt es für mich nicht. Ich mag die Mischung hier. Ich wohne in der Nähe vom Rudolfplatz, da gibt es eine gute Mischung von älteren Leuten, Eltern mit Kindern, Punks mit ihren Hunden…das mag ich sehr.

Du bist schwanger, bekommst also selbst bald einen kleinen Friedrichshainer oder eine kleine Friedrichshainerin… ja genau. Ich bin fast ein bisschen neidisch, dass er oder sie dann zweisprachig aufwachsen wird. Es wird der erste Enkel für meine Eltern und sie sind schon ein bisschen traurig, dass wir so weit weg sind. Aber wir werden noch ein paar Jahre hier bleiben und dann wohl zurück nach Spanien gehen.

Was wünschst Du Dir für Deine Zukunft? Dass ich langfristig von meiner Kunst und den Illustrationen leben kann.

Welches Lied verbindest Du mit Berlin? Ojos de brujo: Sultanas De Merkaillo. Das habe ich immer im Auto gehört, wenn ich zum Kunstmarkt gefahren bin. Es ist ein sehr fröhliches Lied, das auch gut zu Friedrichshain passt.

Lauras Kunst gibt es auf ihrer Webseite http://lauranieto.com/, daneben ist sie auch bei den Urban Sketchers Berlin vertreten.