# JANA
Luftakrobatin.

Mal ist sie die alte Frau Vladusch am Trapez, dann wieder ist sie die elegante Lady L’Aire, die am Tuch in der Luft tanzt. Seit über zehn Jahren ist Jana hauptberuflich als Luftakrobatin tätig und bringt Ihre Kunst mittlerweile auch dem interessierten Laien näher. Was eine Frau dazu bringt, mehrere Meter über dem Erdboden waghalsige Kunststücke vorzuführen und warum Luftakrobatik viel mehr ist als nur bloße Show, das erzählt Jana am Rande ihres Trainings im RAW-Tempel.
Jana, wie wird man Luftakrobatin? Bei mir hat das so angefangen, dass ich, als ich zum Studium aus München hier her gezogen bin, einen Sport gesucht habe, um fit zu bleiben. Zuerst hab ich an der Uni mit Partnerakrobatik angefangen, da macht man zum Beispiel Handstände aufeinander und so weiter… In Friedrichshain bin ich dann in die Off-Theaterszene reingerutscht und da ging es nicht mehr lange, bis ich mit Artistik und Trapez Geld verdienen konnte, um mir damit das Studium zu finanzieren.
Warum konnte es nicht einfach Yoga sein? Was hat Dich am Trapez so fasziniert? Das hat mich von Anfang an total gekickt. Man braucht viel Kraft dafür und doch ist es ein Spiel in der Luft.
Was bekommt man zu sehen, wenn man Dich als Luftakrobatin bucht? Da gibt es zwei Richtungen bei mir. Einmal ist das die „Kommerzschiene,“ das heißt ich trete auf Galas und Firmenfeiern auf. Da bin ich dann für sieben Minuten lang groß, stark und schön. Die andere Schiene ist meine Kunst, und die ist weitaus kompromissloser.
Gib Mal ein aktuelles Beispiel für Deine Kunst. Momentan probe ich für eine Romaninszenierung, die als ‘physical theatre’ umgesetzt ist, die auf Margaret Atwoods Roman ‘Cat’s eye’ basiert. Als ich diesen Roman gelesen habe, bei dem es um Mädchenfreundschaften und die Machtzerrereien dabei geht, sind viele Bilder aus meiner eigenen Kindheit wieder hochgekommen. Ich war mal positiv, mal negativ ergriffen und konnte mich sowohl mit der Täter- als auch der Opferrolle identifizieren. Ich habe mir dann eine Regisseurin gesucht und erstmal haben wir uns gegenseitig unsere Kindheitsstories erzählt. Bei der Vorführung sieht das dann so aus, dass ich solo an zehn Seilen und einem Gerüst in neun Metern Höhen hänge, darunter hängen Seile wie in einen Abgrund. Dazu wird ein eingesprochener Text und Musik abgespielt.
Daneben gibst Du auch Unterricht am Trapez im RAW-Tempel in Friedrichshain. Wer kommt zu Dir, um Luftakrobatik von Dir zu lernen? Das ist eine typische Berliner Mischung. Da sind Leute dabei, die fitnessmäßig Sport machen wollen, da sind Schauspieler dabei oder auch Leute, die sich auf die Zirkusschule vorbereiten möchten. Sie lernen bei mir nicht nur, ihre Kraft richtig anzuwenden, sondern eben auch das Spielerische – viele kommen einfach, um sich zu entspannen.
Welche Eigenschaften sollte man mitbringen, um Luftakrobatik zu lernen? Eigentlich kann es jeder machen, der nicht ein totaler Bewegungsanfänger ist. Die Kraft kommt beim Machen und man hat schnell kleine Erfolgserlebnisse.
Höhenangst darf man dabei wohl eher nicht haben? Wenn ich auf dem Trapez oder am Tuch bin, habe ich keine Angst. Wenn ich auf eine Leiter steigen muss, habe ich manchmal aber schon noch Respekt.
Wie gefährlich ist es, am Seil, Trapez oder Tuch zu hängen? Wenn man auf das richtige Material achtet, ist es nicht gefährlich. Alle tödlichen Unfälle in der letzten Zeit in Deutschland sind passiert, weil die Karabiner gebrochen sind. Man sollte also niemals am falschen Ende sparen.
Was ärgert Dich manchmal im Zusammenhang mit Deiner Kunst? Die starren Grenzen in Deutschland, wenn es darum geht, einen Förderantrag zu stellen. Kinder- und Jugendzirkus ist mittlerweile weit verbreitet, aber was ich mache, bewegt sich zwischen allen Genre-Grenzen. In Frankreich ist das Prinzip des „Neuen Zirkus“ total normal, aber hier wird eine Förderung oft mit der Begründung, dass es Show sei, abgelehnt. Bei einer Gala ist das natürlich diskutabel, aber meine Solostücke sind genauso Kunst wie eine Oper oder ein Theaterstück.
Wer mehr über Jana und ihre Akrobatik wissen möchte, erfährt dies auf ihrer Webseite www.janakorb.de.
Foto: © M.ika